Vorgehensweise zur Beantragung

Vorbereitung auf das Verfahren

Als erste Maßnahme zur Vorbereitung Ihres Insolvenzverfahrens sollten Sie die Gläubigerpost sammeln. Mit “Gläubigerpost” sind gemeint: alle Drohbriefe, Mahnungen, Gerichtsurteile, Mahn- und Vollstreckungsbescheide, Pfändungsprotokolle sowie Protokolle zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung. Legen Sie sich hierzu am besten einen Ringbuchordner an und heften Sie die Post, sortiert nach Gläubiger und nach Aktualität ein, den jeweils aktuellsten Schriftwechsel obenauf.

Wichtig ist es, dass Sie alle Gläubiger erfassen. Auf die genaue Höhe der Forderung kommt es dabei nicht so sehr an. Diese ändert sich ohnehin, da die Zinsschuld “nachwächst”. Der Gläubiger muss die Summe im späteren Insolvenzverfahren sowieso gegenüber dem Insolvenzverwalter exakt benennen.

Wenn Sie aber ganz sorgfältig sein wollen oder Sie von Ihren Gläubigern mehr wissen wollen, schreiben Sie Ihre Gläubiger an, und fragen nach dem momentanen Schuldenstand. Die Gläubiger müssen die gewünschte Auskunft von Gesetzes wegen erteilen. Aber auch wenn Sie das nicht machen, bezüglich der Angaben zum aktuellen Forderungsstand drücken selbst die sonst so pingeligen Richter oft ein Auge zu. Solange Sie den Schuldenstand ungefähr beziffern können, dürfte ein solches Rundschreiben verzicht bar sein.

Das sorgfältige Sammeln der Gläubigerpost dient insbesondere dazu, die so genannten zustellungsfähigen Anschriften der Gläubiger heraus zu finden. Auch dies ist eine Kunst für sich und sollte den Experten überlassen werden.

Oft bedienen sich die Gläubiger eines Inkassobüros oder haben ihre Forderung gar an ein solches abgetreten. Dann ist es gar nicht mehr klar, wem Sie überhaupt Geld schulden. Oder die Inkassobüros nennen nur den (unvollständigen) Namen des Gläubigers. Dann muss in mühevoller Recherchearbeit die zustellungsfähige Gläubigeranschrift ermittelt werden.

Gehen Sie dabei wie folgt vor: Geben Sie bei google oder einer anderen Suchmaschine den Namen des Gläubigers ein und das Wort “Impressum” (z.B. “Telekom Impressum”).

Dann landen Sie automatisch auf der Web-Seite des Gläubigers, wo sich seine genaue Anschrift samt Vertretungsverhältnis befindet.

Mit Vertretungsverhältnis ist der Name des Geschäftsführers, Vorstandes usw. gemeint. Dieser ist ebenso Bestandteil der zustellungsfähigen Gläubigeranschrift und muss ebenfalls namentlich benannt werden. Vergessen Sie schließlich nicht, auch das Aktenzeichen des Gläubigers zu notieren, also die Kundennummer, Rechungsnummer, Kontonummer…..Dann haben Sie alles zusammen.

Bei den Angaben zur zustellungsfähigen Gläubigeranschrift sind die Richter äußerst penibel! Die kleinste Unvollständigkeit kann daher zum Anlass genommen werden, den Antrag zurückzuweisen.

Wenn Sie nicht mehr wissen, wem Sie alles Geld schulden, sehen Sie bitte nochmals in Ihren Unterlagen nach. Weitere Möglichkeiten, die eigenen Gläubiger zu erfahren sind:

  • Selbstauskunft bei der SCHUFA
  • Einblick in die Schuldnerkartei am Amtsgericht Ihres Wohnortes
  • Anfrage beim zuständigen Gerichtsvollzieher

Entsprechend den gesetzlichen Vorschriften ist es nicht so schlimm, wenn man einen Gläubiger vergisst.

Die Restschuldbefreiung wirkt sich auch auf den vergessenen Gläubiger aus, es sei denn es wurde vorsätzlich begangen. Aber trotzdem sollten Sie bemüht sein, alle Gläubiger zusammenzubekommen.

Sollte im Laufe des Insolvenzverfahrens ein vergessener Gläubiger auftauchen, reichen Sie diesen unbedingt beim Insolvenzverwalter ein. Er muss sich darum kümmern. Die genaue Höhe der Forderung ist nicht so wichtig.

Geben Sie den Wert zwar so genau als möglich an, aber es genügt auch ein ungefährer Wert. Später im Insolvenzverfahren muss der Gläubiger die Höhe seiner Forderung dann exakt begründen.

Also, bitte sammeln Sie die Gläubigerpost am besten nach den einzelnen Gläubigern sortiert und ermitteln Sie möglichst die “zustellungsfähige Gläubigeranschrift”.